Unsere Projekte
Seit vielen Jahren fördern wir in der JVA Herford Projekte, die junge Inhaftierte bei ihrer persönlichen Entwicklung und Wiedereingliederung unterstützen. Der Fokus liegt auf Angeboten, die Kreativität, Verantwortung und soziale Kompetenzen stärken, wie beispielsweise künstlerische und musikalische Projekte, praxisnahe Gartenarbeit oder sportliche und gemeinschaftsbildende Formate.
Graffitiprojekt
Gartenprojekt
Black Devils
Musizieren
GMV
Pop Shop
Graffitiprojekt in der JVA Herford
Das Graffitiprojekt in der JVA Herford bietet jungen Inhaftierten die Möglichkeit, sich kreativ mit der Kunstform Graffiti auseinanderzusetzen – sowohl theoretisch als auch praktisch. Ziel des Projekts ist es, den Teilnehmern ein legales Ventil für ihre kreative Ausdruckskraft zu ermöglichen und sie auf die Konsequenzen illegaler Graffiti-Aktivitäten aufmerksam zu machen.
Im Rahmen des Workshops lernen die Jugendlichen nicht nur die Grundlagen des Graffiti-Sprühens, sondern gestalten aktiv die Abteilungsflure der JVA mit. In enger Zusammenarbeit mit den Inhaftierten wurden bereits die Durchgangsabteilung B1 (Dezember 2020) und Abteilung B3 (September 2023) mit Graffitikunst verschönert. Das Projekt fördert nicht nur die künstlerische Entwicklung der Teilnehmer, sondern stärkt auch ihre Selbstwirksamkeit, indem sie ihre Entwürfe in die Praxis umsetzen und Anerkennung für ihre Arbeit erhalten.
Durch die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Graffitikünstler und einem pädagogischen Team werden die Jugendlichen fachkundig angeleitet, was zu beeindruckenden Ergebnissen führt. Ziel ist es, den jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Kreativität auf legale Weise Ausdruck finden kann, und sie nach der Haftzeit an heimatnahe Kunstprojekte angebunden werden können.
Ziele des Projekts
- Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwirksamkeit
- Prävention durch Wissen über die rechtlichen Konsequenzen von Graffiti
- Verbesserung der Kommunikations- und Teamfähigkeit
- Schaffung einer sinnvollen Freizeitgestaltung und Perspektive nach der Haft




Gartenprojekt der JVA Herford
Das Gartenprojekt der Therapievorbereitungsabteilung der JVA Herford wurde 2021 ins Leben gerufen und ist seitdem fester Bestandteil des therapeutischen Konzepts der Abteilung. Der angrenzende Garten bietet den Inhaftierten einen geschützten Raum, in dem sie nicht nur zur Ruhe kommen, sondern auch aktiv an der Pflege und Gestaltung der Natur teilnehmen können. Das Projekt verfolgt das Ziel, den Inhaftierten Verantwortung zu vermitteln und ihnen wichtige lebenspraktische Fähigkeiten näherzubringen.
Die Teilnehmer der Gartengruppe lernen, wie man einen Kräutergarten pflegt, eine Streuobstwiese betreut, Beete anlegt und Obst sowie Gemüse erntet und verarbeitet. Dabei wird ihnen das Gartenjahr nahegebracht – von der Aussaat über die Pflege bis hin zur Ernte. Ein weiterer Fokus liegt auf dem respektvollen Umgang mit der Umwelt und der Herkunft unserer Nahrung. Der Garten wird nicht nur zur Beschäftigung genutzt, sondern fördert das Gemeinschaftsgefühl und unterstützt die persönliche Weiterentwicklung der Inhaftierten.
Das Projekt wird von den Fachkräften der Abteilung – dem Abteilungsdienst, dem Sozialdienst und der Suchtberatung – betreut und die Tätigkeiten sind an die Jahreszeiten angepasst. Die regelmäßige Teilnahme an der Gartengruppe ist für die Gefangenen verpflichtend und wird von vielen sehr geschätzt, was sich in der regen Beteiligung der letzten Jahre widerspiegelt.
Ziele des Projekts
- Vermittlung von Verantwortung und lebenspraktischen Fähigkeiten
- Förderung eines Umweltbewusstseins und Wissen über die Herkunft von Nahrungsmitteln
- Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und der sozialen Kompetenzen
- Schaffung eines therapeutischen Raumes für Entspannung und naturnahe Aktivitäten
Die Black Devils
Die „Black Devils“ sind eine American Footballmannschaft, die 2008 in der JVA Herford ins Leben gerufen wurde. Das Projekt verfolgt das Ziel, jungen Inhaftierten durch Sport Werte wie Disziplin, Struktur und Teamgeist zu vermitteln – Eigenschaften, die im Haftalltag oft fehlen.
Teilnehmer des Programms erfahren eine neue Perspektive auf ihr Leben, indem sie im Team arbeiten, Verantwortung übernehmen und die Disziplin des Sports erlernen. Die Teilnahme am Training ist ein Privileg, das sich die Inhaftierten durch respektvolles Verhalten und die Einhaltung von Regeln verdienen müssen. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert den Verlust seiner „Sportkarte“, die für den Zugang zum Training erforderlich ist.
Das Team wird nicht nur von Trainern geführt, sondern auch von Sozialarbeiterinnen unterstützt, die den Inhaftierten Alternativen und Perspektiven aufzeigen und ihre persönliche Entwicklung fördern. Der Sport bietet den Insassen nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern fördert auch den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl. Für viele Teilnehmer ist das Training ein Höhepunkt der Haftzeit, der Struktur, Motivation und ein Gefühl von Zugehörigkeit gibt.
Die „Black Devils“ sind mehr als nur eine Footballmannschaft. Sie sind ein Symbol der Hoffnung und der Möglichkeit zur Veränderung. Durch die Teilnahme am Sportprogramm erfahren die Gefangenen eine tiefgreifende, persönliche Veränderung – sie entwickeln mehr Respekt und Mitgefühl gegenüber anderen. Das Team stellt eine wichtige Unterstützung im Prozess der Resozialisierung dar und hilft den Jugendlichen, eine positive Identität aufzubauen, die über die Haftzeit hinaustragt.
Ziele des Projekts
- Vermittlung von Disziplin, Struktur und Teamgeist
- Förderung von Verantwortungsbewusstsein und sozialer Kompetenz
- Stärkung der Identifikation mit einer positiven Gemeinschaft
- Unterstützung der Resozialisierung und persönlichen Weiterentwicklung
Klavierunterricht in der JVA Herford
Der Klavierunterricht in der JVA Herford besteht seit 2013 und hat sich seitdem als wertvoller Bestandteil der pädagogischen Arbeit der Anstalt etabliert. Fünf Inhaftierte erhalten wöchentlich individuellen Klavierunterricht, der von einer Klavierlehrerin durchgeführt wird. Der speziell eingerichtete Klavierraum sowie zusätzliche Keyboards für die Hafträume ermöglichen den Teilnehmern, sich intensiv und kontinuierlich mit dem Musizieren auseinanderzusetzen.
Das Projekt bietet den Inhaftierten einen besonderen Raum, in dem sie zur Ruhe kommen, Neues erlernen und ihre eigenen Fähigkeiten entdecken können. Die Nachfrage ist hoch – jährlich nehmen mehr als zehn Gefangene am Unterricht teil, weitere stehen auf einer Warteliste. Sobald ein Teilnehmer entlassen wird, rückt unmittelbar ein neuer Schüler nach, sodass möglichst vielen Inhaftierten die Teilnahme ermöglicht wird.
Musizieren hat nachweislich positive Auswirkungen auf Konzentration, Ausdauer, Gedächtnisleistung, Koordination und emotionale Stabilität. Viele Inhaftierte berichten, dass das Klavierspielen ihnen hilft, Stress abzubauen, sich zu fokussieren und Erfolgserlebnisse zu erleben.
Durch regelmäßiges Üben und individuelle Förderung entsteht ein Lernprozess, der nicht nur musikalische Kompetenzen vermittelt, sondern auch die persönliche Entwicklung unterstützt – Fähigkeiten, die auch nach der Haft von großer Bedeutung sein können.
Ziele des Projekts
- Erlernen und Förderung musikalischer Fähigkeiten
- Stärkung von Konzentration, Ausdauer und Gedächtnisleistung
- Förderung von emotionaler Stabilität und Stressreduktion
- Vermittlung einer sinnvollen, strukturierten Freizeitgestaltung – auch über die Inhaftierung hinaus
- Unterstützung persönlicher Entwicklung durch Erfolgserlebnisse und Motivation
Gefangenenmitverantwortung (GMV)
Die Gefangenenmitverantwortung ist ein wichtiger Bestandteil des Haftalltags in der JVA Herford. Sie bietet den Inhaftierten die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung ihrer Lebensbedingungen mitzuwirken und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Zweimal im Monat treffen sich gewählte Vertreter der Inhaftierten mit Mitarbeitenden der Anstalt, um Anliegen, Vorschläge und Verbesserungsmöglichkeiten zu besprechen. So entsteht ein konstruktiver Austausch, der den Alltag für alle Beteiligten positiv beeinflusst.
Ziele der GMV
- Förderung demokratischer Teilhabe im Haftalltag
- Stärkung von Verantwortungsbewusstsein und Selbstorganisation
- Verbesserung der Kommunikation zwischen Inhaftierten und Mitarbeitenden
- Konstruktive Mitgestaltung des Vollzugsalltags
- Unterstützung eines respektvollen und sicheren Miteinanders
Sommerfest der JVA Herford
Das jährliche Sommerfest ist ein besonderes Ereignis für die gesamte Anstaltsgemeinschaft. Rund 200 Inhaftierte nehmen teil und können sich in einem entspannten, geschützten Rahmen frei bewegen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Aktivitäten erleben. Auch Bedienstete beteiligen sich, wodurch ein positives, vertrauensvolles Miteinander gestärkt wird. Das Fest ist nicht nur ein Angebot zur Freizeitgestaltung, sondern trägt spürbar zum sozialen Klima und zur Gemeinschaftsförderung bei.
Ziele des Sommerfests
- Förderung des Gemeinschaftsgefühls und sozialer Sicherheit
- Schaffung eines entspannten Rahmens für Begegnung zwischen Inhaftierten und Bediensteten
- Stärkung von gegenseitigem Respekt und sozialer Kompetenz
- Abbau von Spannungen und Förderung eines positiven Anstaltsklimas
- Bereitstellung eines besonderen Tages, der Motivation und Teilhabe ermöglicht
Gefangenenzeitung „Pop Shop“ der JVA Herford
Die Gefangenenzeitung „Pop Shop“ ist ein besonderes Bildungs- und Beteiligungsprojekt der Sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Herford. 6–7 freiwillige Inhaftierte arbeiten eng mit Schülerinnen und Schülern der Georg-Müller-Schule Bielefeld zusammen – ein nahezu einzigartiges Kooperationsmodell, das journalistische Fähigkeiten fördert, demokratische Teilhabe ermöglicht und den Austausch zwischen „drinnen“ und „draußen“ stärkt.
Alle drei Wochen trifft sich die Redaktion in der JVA, entwickelt neue Themen und überarbeitet gemeinsam Texte. Da die Inhaftierten keinen Internetzugang haben, übernehmen die Schülerinnen und Schüler die Recherche. Zwischen den Sitzungen arbeiten die Teilnehmenden im Redaktionsbüro weiter. Die Themenvielfalt – von Politik über Wissenschaft bis Unterhaltung – wurde bereits mehrfach von demokratisch handeln ausgezeichnet.
Jährlich entstehen 2–3 Ausgaben mit rund 600 Exemplaren, gedruckt in der JVA Geldern und verteilt an Gefangene, Bedienstete, die Georg-Müller-Schule sowie weitere Interessierte.
Ziele des Projekts
- Förderung von Medien- und Schreibkompetenz
- Demokratielernen und gesellschaftliche Teilhabe
- Resozialisierung durch Zusammenarbeit
- Strukturierter und verantwortlicher Arbeitsalltag
- Kreative Gestaltung und professionelle Weiterentwicklung
Sie haben Fragen?
Wir stehen Ihnen gerne für Auskünfte rund um unsere Projekte, Fördermöglichkeiten oder eine Beteiligung an unserer Arbeit zur Verfügung. Schreiben Sie uns einfach eine Nachricht oder rufen Sie uns an – wir melden uns so schnell wie möglich zurück.
